8 ADHS-Mythen

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Mythen und Fakten zu ADHS

ADHS ist eine Kinderkrankheit

Fakt ist: ADHS ist keine Kinderkrankheit und kann auch im Erwachsenenalter fortbestehen. Bis zu 60 Prozent der Betroffenen zeigen auch nach der Pubertät noch Anzeichen einer ADHS.1

1. Puls JH. Epidemiologie, Symptomatik und Verlauf, in: Kahl KG et al (Hg.). Praxishandbuch ADHS. Georg Thieme Verlag. Stuttgart. New York; 2007: 5. Auflage

Mythen und Fakten zu ADHS

An ADHS ist doch nur die Erziehung schuld!

Fakt ist: Erziehung oder Verhalten der Eltern haben auf die neurobiologischen Ursachen der ADHS keinen Einfluss. Wie bei jedem Kind spielen die Eltern natürlich trotzdem eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des Kindes: Ein schlechtes Umfeld oder zweifelhafte Erziehungsmethoden wirken sich auf Kinder mit ADHS genauso negativ aus wie auf alle anderen Kinder.

Mythen und Fakten zu ADHS

ADHS ist nur eine Mode-Diagnose und gar keine wirkliche Krankheit.

Fakt ist: ADHS ist eine psychische Erkrankung. Sie ist in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) der Weltgesundheitsorganisation erfasst und beschrieben.

Mythen und Fakten zu ADHS

ADHS-Medikamente machen Kinder abhängig

Fakt ist: Die Behauptung, Medikamente gegen ADHS würden Kinder abhängig machen, hat sich in bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen nicht bestätigt. Es gibt auch keinen wissenschaftlich fundierten Hinweis darauf, dass Kinder und Jugendliche, die Medikamente gegen ADHS einnehmen, später eher drogenabhängig werden. Wissenschaftlich nachgewiesen wurde hingegen, dass Kinder mit ADHS, die nicht behandelt werden, später mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit missbräuchlich zu Drogen greifen als Kinder, die behandelt wurden.1

1. Barkley RA et al. J Child Psychol Psychiatry 2004; 45(2): 195–211.

Mythen und Fakten zu ADHS

ADHS wird durch Computerspiele und zu viel Fernsehen ausgelöst

Fakt ist: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass ADHS durch Reizüberflutung, Computerspiele oder zu viel Fernsehen ausgelöst werden kann1. Reizüberflutung kann aber die ADHS-Symptome verstärken, und Kinder mit ADHS sind besonders leicht durch Computerspiele „verführbar“2 . Deshalb ist ein maßvoller Umgang mit Fernseher, Computer und Spielkonsole bei Kindern mit ADHS noch wichtiger als bei Kindern ohne diese Störung.

1. Stellungnahme des zentralen adhs-netzes (zan) zu häufigen Fehlinformationen der Presse zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS).
2. Alfred A et al. ADHS-Praxishandbuch. Books on Demand. Norderstedt 2007: 177.

Mythen und Fakten zu ADHS

Mythos: Kinder mit ADHS müssen sich nur austoben und mehr im Freien spielen

Fakt ist: Sich auszutoben, im Freien zu spielen und die Natur zu erleben ist für alle Kinder – mit und ohne ADHS – gut und kann ihr Verhalten verbessern. Die Verhaltensauffälligkeiten und Probleme, die Kinder mit ADHS haben, lassen sich durch Spielen im Freien jedoch nicht aus der Welt schaffen.

Mythen und Fakten zu ADHS

ADHS-Medikamente verändern die Persönlichkeit der Kinder und stellen sie ruhig

Fakt ist: ADHS-Medikamente verändern nicht die Persönlichkeit des Kindes. Indem sie die Aufmerksamkeitsprobleme, die Hyperaktivität und Impulsivität abschwächen und eine normale, konzentrierte Wahrnehmung ermöglichen, erlauben sie es den Betroffenen, ihre Fähigkeiten und  Begabungen gezielt zu nutzen.1

1. Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung vom 26.08.2005.

Mythen und Fakten zu ADHS

Mythos: Medikamente gegen ADHS sind langfristig schädlich

Fakt ist: Aus medizinischer Sicht sind diese Bedenken nicht nachvollziehbar. Medikamente sollten aber immer nur ein Baustein in einer aus verschiedenen Maßnahmen bestehenden Behandlung sein. Die fachärztlichen Leitlinien1 empfehlen zudem, das gewählte Medikament und die Dosierung in regelmäßigen Abständen zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Einmal im Jahr sollte für einige Zeit auf das Medikament verzichtet werden, um zu prüfen, ob es noch erforderlich ist.

1. Hyperkinetische Störungen (F 90). Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie u. a. (Hg.). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. Deutscher Ärzte Verlag, 3. überarbeitete Auflage; 2007: 239–254 (aktuell in Überarbeitung).

3 typische Anzeichen bei Kindern und Jugendlichen1,2

Anzeichen bei Kinder

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Unaufmerksam- keit

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  • Scheint oft nicht zuzuhören
  • Ist vergesslich oder leicht ablenkbar
  • Hat ständig Schwierigkeiten, Aufgaben und Tätigkeiten zu organisieren
  • Wechselt oft zwischen verschiedenen Aufgaben ohne dabei eine Aufgabe zu Ende zu bringen

Hyperaktivität

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  • Rennt oder klettert herum in Situationen, in denen es nicht angebracht ist
  • Fuchtelt ständig mit den Händen herum oder rutscht auf dem Stuhl hin und her
  • Ist oft "auf dem Sprung", wirkt wie "aufgezogen"
  • Redet sehr viel

Impulsivität

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  • Ist ungeduldig und kann sich rücksichtslos verhalten
  • Beendet oft Sätze anderer Menschen
  • Hat Schwierigkeiten zu warten, bis sie/er an der Reihe ist
  • Stört häufig andere Menschen und fällt ihnen ins Wort
  • Platzt mit der Antwort heraus noch bevor die Frage zu Ende gestellt wurde

ADHS-Kernsymptome bei Erwachsenen3

Symptome bei Erwachsenen

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Unaufmerk-samkeit

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  • Geringe Motivation
  • Schwierigkeiten Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten (Büro, Konferenzen, Lesen)
  • Lähmende "Aufschieberitis"
  • Langsam, ineffizient
  • Schlechtes Zeitmanagement
  • Nicht organisiert

Hyperaktivität

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  • Ineffizient bei der Beschäftigung/Arbeit
  • Unruhig bei langen Konferenzen
  • Kann sich nicht anstellen/abwarten
  • Sucht aktive Beschäftigung/Arbeit

Impulsivität

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  • Kann Frustration nicht aushalten
  • Fährt zu schnell
  • Redet unentwegt
  • Unterbricht andere
  • Macht unpassende Kommentare

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Kinder & Jugendliche Erwachsene

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Quellen

  1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition. 2013.
  2. World Health Organization. The ICD-10 Classification of Mental and Behavioural Disorders. Available at: www.who.int/entity/classifications/icd/en/bluebook.pdf. Last updated 1993; 1: 1-263. Accessed 04 January 2017.
  3. Weiss M et al. A guide to the treatment of adults with ADHD. J Clin Psychiatry. 2004;65:27-37.