ICD-10
Bezeichnung der Störung
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
Symptome der Unaufmerksamkeit
Mindestens sechs Symptome treten auf.
Symptome der Impulsivität
Mindestens ein Symptom tritt auf.
Schweregrad
Nicht definiert
Auswirkungen
Die Symptome beeinträchtigen die soziale, schulische oder berufliche Funktionsfähigkeit.
Differentialdiagnostik
Die Störung erfüllt nicht die Kriterien für eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, eine manische Episode, eine depressive Episode oder eine Angststörung.
Diagnose
Die Symptome treten mindestens sechs Monate lang auf.
Die Symptome sind in ihrem Ausmaß nicht mit dem Entwicklungsstand des Kindes zu vereinbaren.
Symptome der Hyperaktivität
Mindestens drei Symptom tritt auf.
Beginn der Symptome
Vor dem siebten Lebensjahr
Symptomausprägung
Die Kriterien sollen in mehr als einer Situation bzw. einem Lebensbereich erfüllt sein (z.B. Schule, zu Hause)
Lebensqualität
Die Symptome verursachen deutliches Leiden.
DSM-5
Bezeichnung der Störung
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung
Diagnose
Die Symptome sind während der letzten sechs Monate beständig aufgetreten.
Die Symptome sind in ihrem Ausmaß nicht mit dem Entwicklungsstand des Kindes zu vereinbaren.
Beginn der Symptome
Vor dem Alter von zwölf Jahren
Symptomausprägung
Die Kriterien sollen in mehr als einer Situation bzw. einem Lebensbereich erfüllt sein (z.B. Schule, zu Hause)
Lebensqualität
Nicht definiert
Subtypen
- Vorwiegend unaufmerksam
- Vorwiegend hyperaktiv/impulsiv
- Kombiniert
Symptome der Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität
Mindestens sechs Symptome (bzw. ab einem Alter von 17 Jahren: fünf) treten auf.
Schweregrad
Leicht / Mittel / Schwer (anhand von Symptomanzahl, -ausprägung, und daraus resultierender Beeinträchtigung)
Auswirkungen
Die Symptome beeinträchtigen die soziale, schulische oder berufliche Funktionsfähigkeit.
Differentialdiagnostik
Die Symptome treten nicht ausschließlich im Verlauf einer psychotischen Störung auf und können auch nicht durch eine andere psychische Störung besser erklärt werden.
Dabei decken sich die zugrunde liegenden Symptome für Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität zwischen den beiden Klassifikationssystemen weitgehend. Mehr Informationen zu ADHS-Symptomen finden Sie hier.
Vorsicht ist bei jüngeren Kindern geboten: Bevor das Kind ein Alter von drei Jahren erreicht hat, sollte die Diagnose ADHS nicht gestellt werden. Auch im Alter zwischen drei und vier Jahren kann gemeinhin keine gesicherte Diagnose erfolgen.
Auch bei älteren Kindern, also Jugendlichen, ist die ADHS-Diagnosestellung teilweise problematisch, da die Diagnosekriterien stark kindspezifisch formuliert sind, z.B. „Das Kind zappelt häufig mit Händen und Füßen oder rutscht auf dem Stuhl herum“. Hier ist entsprechendes Fingerspitzengefühl vom untersuchenden Fachpersonal sowie eine auf die Jugendlichen angepasste Situationsanalyse gefragt.
Kinder und Jugendliche von 11 bis 18 Jahren
SBB-ADHS: Selbstbeurteilungsbogen für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen aus dem Diagnostik-System DISYPS-III
Erwachsene (ab 18 Jahren)
- ADHS-SB: ADHS-Selbstbeurteilungsskala (HASE)
- ADHS-E: ADHS-Screening für Erwachsene (Kurzform)
- CAARS-S: Conners Skalen zu Aufmerksamkeit und Verhalten für Erwachsene, Selbstbeurteilung (Kurzform)
- KATE: Kölner ADHS-Test für Erwachsene
- WR-SB: Wender-Reimherr Selbstbeurteilungsfragebogen (HASE)
- WURS-k: Wender-Utah Rating Scale – deutsche Kurzform (HASE)
Die Abkürzung HASE bezeichnet dabei die Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene, ein Untersuchungsverfahren der ADHS-Diagnostik im Erwachsenenalter.
Die ADHS-Diagnostik (wie auch die spätere Behandlungsplanung) bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kann von folgendem Fachpersonal durchgeführt werden:
Kinder von 3 bis 6 Jahren
- FBB-ADHS-V: Fremdbeurteilungsbogen für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen im Vorschulalter aus dem Diagnostik-System DISYPS-III
- Conners EC: Conners Skalen zu Aufmerksamkeit und Verhalten - Vorschulversion
Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren
- FBB-ADHS: Fremdbeurteilungsbogen für Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörungen aus dem Diagnostik-System DISYPS-III
- Conners 3: Conners Skalen zu Aufmerksamkeit und Verhalten – 3
Zur Diagnosesicherung ist es wichtig, dass die o.g. Befragungen anhand der Fragebögen von geschultem Fachpersonal durchgeführt werden.
Welche weiteren Untersuchungsmethoden gibt es zur ADHS-Diagnostik?
Die Diagnose ADHS sollte allerdings nicht ausschließlich aufgrund der spezifischen Fragebögen gestellt oder ausgeschlossen werden. Vielmehr basiert die ADHS-Diagnose auf dem Zusammenspiel folgender Kriterien, die im Rahmen des Diagnoseprozesses evaluiert werden sollten:
- Umfassende strukturierte Exploration des/der Patient:in und dessen/deren Bezugspersonen (letzteres v.a. bei Kindern und Jugendlichen) u.a. im Hinblick auf
- aktuelle ADHS-Symptomatik
- daraus resultierenden Einschränkungen der Funktionsfähigkeit
- aktuellen koexistierenden psychischen oder körperlichen Symptomen
- Familienanamnese
- Verhaltensbeobachtung des/der Patient:in
- Psychopathologische Beurteilung des/der Patient:in
- Körperliche und neurologische Untersuchung mit Beurteilung des Entwicklungsstandes
Obwohl es zwar keinen Labortest für eine ADHS gibt, ist eine körperliche Untersuchung zur ADHS-Diagnostik trotzdem sinnvoll. Diese dient dabei vor allem zum Ausschluss von Differentialdiagnosen (Diagnosen von Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen), die ihren Ursprung in körperlichen Gegebenheiten haben. Dazu werden z.B. internistisch-neurologische Untersuchungen des Hörvermögens und der Sehstärke oder eine Messung der Hirnströme mittels Elektroenzephalogramm (EEG) veranlasst. Auch um die Wirksamkeit einer späteren ADHS-Therapie einschätzen zu können, kann die körperliche Untersuchung eingesetzt werden.
Einen höheren Stellenwert in der ADHS-Diagnostik nehmen neurologische Untersuchungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Konzentration oder Bewegungskoordination ein, denn gegenüber gesunden Vergleichspersonen zeigen ADHS-Betroffene neuropsychologische Besonderheiten. So sind bei einer ADHS exekutive (ausführende) Funktionen, wie die „motorische Inhibitionskontrolle“, beeinträchtigt. Dabei haben Betroffene Schwierigkeiten, ihre Handlungen zu kontrollieren und reagieren oft impulsiv. Des Weiteren werden bei ADHS-Betroffenen auch veränderte motivationsbezogene Prozesse und beeinträchtigte Lernprozesse beobachtet. Dies äußert sich z.B. in einem Drang nach sofortiger Belohnung oder geringerer Frustrationstoleranz.
Symptom: Aufmerksamkeitsstörung
Psychisch/Neurologisch
- Depression
- Angststörung
- Spezifische Lernstörung
Somatisch/Internistisch
- Epilepsie
- Schilddrüsenerkrankung
Symptom: Hyperaktivität
Psychisch/Neurologisch
- Anpassungsstörung
- Störung des Sozialverhaltens
- Stereotype Bewegungsstörung
(Autismus-Spektrum-Störung) - Tic-Störung
Somatisch/Internistisch
- Ausdruck einer unerwünschten Arzneimittelwirkung
Symptom: Impulsivität
Psychisch/Neurologisch
- Zwangsstörungen
- Persönlichkeitsstörungen
Generell
Psychisch/Neurologisch
- Bipolare Störung
- Psychotische Störung
- Suchterkrankung
Mehr zum Thema Begleiterkrankungen einer ADHS finden Sie hier.
Quellen
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