Mein Extremsport früher: Die morgendliche Gassi-Runde
Im Gegensatz zu den Leidensgenossen, die sich ihren Kick in Extremsport holen oder denen, meist weiblichen, die auf ihrer Jagd nach Perfektion zwanghafte und suchtartige Komorbiditäten rund um Sport und Ernährung ausprägen, haben mich Sportarten nie interessiert. Mein Extremsport war zuvor ein paar Jahre meines Lebens mit den Hunden von April bis November jeden Morgen auf Mountainbike-Runde zu gehen und oft nackig im hiesigen Fluss zu baden.
Nun aber war durch diesen ersten, mich alten Raucher an den Rand der Erschöpfung bringenden Lauf, mein Hyperfocus aktiviert. Durch den Umstand begünstigt, dass die Hunde fürs Fahrradfahren zu alt geworden waren, aber natürlich weiterhin bewegt werden wollten, begann ich zu laufen. Ich besorgte mir geeignetes Schuhwerk und etwas Kleidung, mehr braucht es nicht, um dieser Tätigkeit, die sich quasi zu jeder Tageszeit an jedem Orte der Welt ausführen lässt, nachzugehen. Traditionell verschlang ich nebenbei zahllose Bücher über das Laufen und schaute sämtliche Dokus, die ich finden konnte. Natürlich verzichtete ich auf all diesen technischen, die gute Sache zur Wissenschaft machen wollenden und damit ins Freudlos-Zwanghafte überführenden, dem Selbstoptimierungswahn geschuldeten Puls-, Zeit-, Schritt-, Strecken-, Fettverbrennungsmessgerät-Poserschnickschnack! So ein Quatsch. Dies benötigte die Menschheit all die Jahrtausende zuvor auch nicht, um über die Steppe zu flitzen, auf dass man das sichere Lager der heimischen Sippe noch vor Sonnenuntergang erreiche, damit einen der Säbelzahntiger, das Mammut oder die Räuberhorden nicht erwischen. Und auch auf einen mit Magnesiumriegeln gestopften Batman-Gürtel konnte ich verzichten.
„Merke: der Mensch kann für gewöhnlich ein paar Kilometer Dauerlauf auch ohne Survival Kit überleben.”
Immerhin handelt es sich beim Laufen um eine völlig natürliche Bewegungsart, die wir Menschen ausführen, seit wir auf zwei Beinen stehen.
EXA/DE/NS/1006